Samstag oder Samstag?
- Scharon Kohls
- 26. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Samstag oder Samstag – klingt gleich, oder? Und doch kann genau hier schon das nächste Missverständnis lauern. Hey, ich bin Scharon und Coach für Paarkommunikation. Neulich hatte ich in einer Sitzung genau dieses Thema.

Zwei Menschen, zwei Wahrnehmungen
Er erzählte mir, wie unfassbar sensibel seine Frau sei und dass sie aus einer Mücke direkt einen Elefanten mache. Sie hingegen berichtete wütend, wie absolut trampelig ihr Mann sei.
Die beiden wollten endlich mal wieder ein Date ohne Kinder. Sie tauschten sich aus, welcher Tag passen würde, und einigten sich relativ schnell auf Samstag. Für mich als Außenstehende klang erstmal alles plausibel. Sie organisierte den Babysitter, ging extra noch zum Friseur und freute sich sehr auf den Abend. Er legte seine geschäftlichen Termine so, dass er Zeit haben würde. Dann kam der Clou.
Samstag ist nicht gleich Samstag
Sie kam geschniegelt und gestriegelt in sein Arbeitszimmer – und war völlig irritiert: Er saß noch am Rechner und arbeitete. Er wiederum war sichtlich verwirrt, wurde frustriert – und dann wurde klar: Sie sprachen von unterschiedlichen Samstagen.
Eigentlich kein Drama. Doch wenn die Stimmung in einer Beziehung ohnehin schon angespannt ist, wird selbst so ein kleines Missverständnis schnell zum Zündstoff. Die beiden schafften es nicht mehr, ruhig darüber zu sprechen.

Hinter der Wut lag etwas anderes
In unserer Sitzung schaute ich mir die Situation genauer an und fragte sie: „Wie hast du dich an diesem Samstag gefühlt?“
Zunächst war da viel Wut und Frust. Doch während sie sprach, zeigte sich das eigentliche Gefühl: Traurigkeit. Sie hatte sich sehr auf die gemeinsame Zeit, Nähe und Zweisamkeit gefreut.
Spannend war, ihren Mann dabei zu beobachten.
Wenn Gefühle ernst genommen werden, entsteht Verbindung
Solange sie wütend war, rollte er mit den Augen und sagte:„Das war doch nur ein Missverständnis, ist doch nicht so schlimm.“ Doch in dem Moment, in dem sie von ihrer Traurigkeit sprach und davon, wie sehr sie sich auf den Abend gefreut hatte, wurde er still.
Ich fragte ihn, wie es für ihn sei, das zu hören. Er antwortete, dass er das so noch gar nicht gesehen habe – und man merkte, wie er innerlich ruhiger wurde.
Genau in diesem Moment wurde ihr Bedürfnis nach gesehen und ernst genommen werden erfüllt. Die beiden waren wieder miteinander in Verbindung – statt im Kampf gegeneinander.
Gefühle abtun – ein häufiger Stolperstein
Das beobachte ich sehr oft: Eine Person bringt ein konkretes Problem inklusive Emotionen mit – und die andere tut es ab mit Sätzen wie:
„Ist doch nicht so schlimm.“
„Jetzt übertreib mal nicht.“
Psychologisch spricht man hier von emotionaler Invalidierung – also dem Abwerten oder Kleinreden der Gefühle des Gegenübers. Häufig passiert das unbewusst, oft als Schutzmechanismus, um sich nicht mit den eigenen unangenehmen Gefühlen auseinandersetzen zu müssen.
Doch bei der anderen Person kommt an:Ich werde nicht gehört. Nicht gesehen. Nicht ernst genommen. Und mal ehrlich – niemand möchte sich so fühlen.
Ein kleines Learning mit großer Wirkung
Das Fazit aus dieser Sitzung war simpel und wirkungsvoll: Wenn die beiden ein Date planen, nennen sie künftig ein konkretes Datum.
Für mich war es schön zu beobachten, dass kommunikative Stolpersteine oft keine riesigen Themen sein müssen. Manchmal sind sie erstaunlich klein – und genau deshalb auch schnell aus der Welt zu schaffen, wenn man hinschaut.
Wann hattest du zuletzt eine Situation, in der ihr aneinander vorbeigeredet habt – und wie seid ihr damit umgegangen?
Eure Scharon



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