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Von Filmromantik in die Realität geklatscht

  • Scharon Kohls
  • 18. Feb.
  • 2 Min. Lesezeit

„Aber er muss doch wissen, dass ich mir wünsche, in den Arm genommen zu werden.“

Dieser Satz fiel neulich in einer Paarsession.Hey, ich bin Scharon und Coach für Paarkommunikation.


Zwei Menschen umarmen sich im Licht des Sonnenuntergangs

Wenn Erwartungen unausgesprochen bleiben


Das große Thema in dieser Session war der gestrige Streit – und dieser schien besonders tief zu sitzen. Beide erzählten ihre Perspektive, und während sie sprach, fiel irgendwann dieser Satz: „Aber er muss doch wissen, dass ich mir wünsche, in den Arm genommen zu werden.“

Ich hinterfragte, woher diese Annahme kommt und welche Gefühle aktiv waren, als dieser Satz fiel. Sie stutzte kurz und erzählte dann, dass sie auf Instagram gelesen habe: „Wenn er wollte, würde er.“


Der Mythos von „Wenn er wollte, würde er“


In diesem Moment wurde mir wieder einmal bewusst, wie unrealistisch, fernab der Realität und teilweise toxisch das Bild von Beziehung auf Social Media, in Filmen und Serien ist. Denn der Satz „Wenn er/sie wollte, würde er/sie“ ist nichts anderes als Verantwortung abgeben. Woher soll die andere Person wissen, was du dir tatsächlich wünschst und welches Bedürfnis konkret dahintersteckt?

Niemand kann etwas erfüllen, wenn er oder sie gar nicht weiß, was sich die Person wünscht.


Zwei alte Videofilme

Das eigentliche Bedürfnis dahinter


Doch da kommen wir schon zum zweiten Problem: Vielen ist gar nicht bewusst, welches Bedürfnis sie eigentlich haben – und wie dieses Bedürfnis erfüllt werden kann. In der Session fragte ich: „Welches Bedürfnis steckt dahinter?“ Und sie wusste es zunächst nicht.

Später kamen wir an die Wurzel: Das Bedürfnis war gesehen werden und Nähe. Zwei sehr natürliche Bedürfnisse. Doch er konnte das nicht wissen – vor allem nicht, wenn sie nichts sagte und stattdessen immer wütender wurde.


Filmromantik versus Realität


Die Medien stellen Beziehungen oft romantisch und einfach dar. Doch dieses Konzept funktioniert in der realen Welt selten. Jeder von uns ist unterschiedlich groß geworden, hat andere primäre Bedürfnisse und trägt vielleicht auch Wunden aus der Vergangenheit mit sich.

Stellen wir uns eine Filmszene vor: Es wird gestritten. Die Frau zieht sich zurück. Der Mann läuft ihr hinterher. Sie tobt vor Wut, er zieht sie einfach in den Arm – sie wird ruhiger, alles ist wieder gut. Eine schöne Vorstellung. Doch die Realität kann ganz anders aussehen.


Ein Neon-Schild, wo aus rosa Neon-Röhren „Love“ drauf geschrieben ist

Nähe ist nicht immer die Lösung


Wenn eine Person wütend ist, möchte sie nicht zwangsläufig Nähe. Vielleicht braucht sie Ruhe, abstand oder Zeit zum Durchatmen. Dann kann eine ungefragte Umarmung die Wut sogar verstärken.

Und andersherum ist die andere Person vielleicht ebenfalls wütend, frustriert oder überfordert – und braucht selbst erstmal Raum.

Wenn im Streit nicht ausgesprochen wird: „Du, ich bin zwar super sauer gerade, aber ich bräuchte eigentlich eine fette Umarmung von dir. Kannst du mir die geben?“ und dieser Wunsch nur im Kopf bleibt, entstehen Mauern statt Versöhnung.


Verantwortung übernehmen statt Gedankenlesen erwarten


Das Fazit aus dieser Session war klar: Auch im Streit kann der andere nicht erriechen, was du brauchst. Es braucht die Bereitschaft, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und das eigene Bedürfnis auszusprechen.

Alternativ kann auch vorab darüber gesprochen werden: „Wenn wir uns streiten und ich mal richtig sauer bin, kannst du mich dann einfach in den Arm nehmen?“

Doch auch hier gilt: In der Situation selbst nochmal rückversichern, ob die andere Person das gerade wirklich braucht oder möchte.


Eure Scharon

 
 
 

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